City Outlet Bad Lippspringe – passt das wirklich zu unserer Stadt?

Stellungnahme von MdL Norika Creuzmann zu den aktuellen Planungen rund um das City-Outlet

Mehr Menschen, mehr Autos, mehr Verkehr – ist das wirklich die Zukunft, die wir für Bad Lippspringe wollen?

Genau diese Frage stelle ich mir beim geplanten City Outlet. Ich sehe das Projekt kritisch, weil ich glaube, dass Bad Lippspringe seine Zukunft nicht darin suchen sollte, immer mehr Menschen zum Einkaufen in die Stadt zu holen.

Unsere Stadt hat ganz andere Stärken. Bad Lippspringe ist Kur- und Gesundheitsstadt, liegt direkt vor den Toren Paderborns und gleichzeitig mitten in einer wunderschönen und wertvollen Natur- und Erholungslandschaft. Kurwald, Heilquellen, Gartenschau, die Nähe zu Egge und Senne – genau das macht unsere Stadt besonders.

Und genau darin sehe ich unsere Zukunft.

Natürlich brauchen wir eine lebendige Innenstadt. Leerstände sind keine gute Entwicklung, und wir müssen uns darum kümmern, wieder mehr Leben in die Innenstadt zu bringen. Aber beim City Outlet geht es eben nicht nur darum, leerstehende Geschäfte zu beleben. Von Anfang an war das Ziel, Menschen weit über Bad Lippspringe hinaus zum Einkaufen in unsere Stadt zu holen.

Und all diese Menschen müssen nach Bad Lippspringe kommen. Wenn das Outlet erfolgreich sein soll, wird ein erheblicher Teil der Besucherinnen und Besucher mit dem Auto anreisen. Zusätzlicher Verkehr ist also keine unerwartete Begleiterscheinung. Er gehört zu diesem Konzept.

Deshalb beschäftigt mich nicht zuerst die Frage, wie wir diesen Verkehr organisieren oder wo wir weitere Parkplätze schaffen.

Ich stelle mir eine viel grundsätzlichere Frage: Wollen wir diesen zusätzlichen Verkehr überhaupt erzeugen?

Wollen wir bewusst mehr Autos nach Bad Lippspringe holen? Mehr Verkehr auf den Zufahrtsstraßen, mehr Parkplatzsuchverkehr, mehr Lärm und zusätzliche Belastungen für die Menschen, die hier leben?

Ich finde diese Entwicklung auch deshalb widersprüchlich, weil wir in Bad Lippspringe jahrelang eine ganz andere Diskussion geführt haben. Ich erinnere mich gut an die Auseinandersetzung um die Entlastungsstraße. Damals wollte die CDU sie mit aller Kraft durchsetzen. Das Argument war: Der Verkehr muss raus aus Bad Lippspringe. Die Stadt müsse entlastet, die Menschen vor Lärm geschützt und die Aufenthaltsqualität verbessert werden.

Heute wird mit großer Kraft ein Projekt vorangetrieben, dessen Erfolg davon lebt, möglichst viele zusätzliche Kundinnen und Kunden aus der Region nach Bad Lippspringe zu holen.

Das passt für mich nicht zusammen. Erst sollte der Verkehr aus der Stadt heraus – jetzt soll er bewusst in die Stadt hineingeholt werden.

Vor allem aber möchte ich nicht nur sagen, was ich nicht will. Für mich gibt es eine andere, bessere Perspektive für Bad Lippspringe.

Wir liegen direkt vor den Toren Paderborns. Paderborn wächst, Arbeitsplätze entstehen, Menschen suchen Wohnraum und gleichzeitig steigt der Wunsch nach Lebensqualität, Natur und Erholung. Genau hier liegt unsere Chance.

Bad Lippspringe kann der attraktive Wohn-, Gesundheits- und Erholungsort im direkten Umfeld Paderborns sein. Eine Stadt, in der man gerne lebt und zu der man gerne kommt – nicht wegen eines Outlet-Stores, sondern weil die Stadt selbst attraktiv ist.

Dazu gehört für mich zuerst, unseren Kur- und Gesundheitsstandort weiterzuentwickeln. Gesundheit, Prävention, Reha und Erholung haben Zukunft. Wir haben dafür Strukturen und einen Namen, den andere Städte erst mühsam aufbauen müssten.

Dazu gehört unsere Natur. Kurwald, Gartenschau und die Landschaft rund um Bad Lippspringe dürfen wir nicht nur als schöne Kulisse betrachten. Sie sind ein echter Standortfaktor. Daraus können wir Angebote für nachhaltigen Tourismus, Radfahren, Wandern, Gesundheit und Naherholung entwickeln.

Und dazu gehört eine lebendige Innenstadt. Aber ich stelle mir darunter etwas anderes vor als eine Aneinanderreihung von Outlet-Stores. Ich wünsche mir eine Innenstadt mit guter Gastronomie, Cafés, inhabergeführten Geschäften, Dienstleistungen, Gesundheitsangeboten und attraktiven öffentlichen Räumen. Eine Innenstadt, in der Menschen nicht nur einkaufen, sondern sich gerne aufhalten und begegnen.

Auch die Gartenschau sollten wir noch stärker mit der Innenstadt verbinden. Wer wegen der Natur, der Gartenschau, einer Kur oder eines Ausflugs nach Bad Lippspringe kommt, sollte anschließend gerne durch die Innenstadt gehen, dort essen, einen Kaffee trinken oder einkaufen. Davon profitieren Gastronomie und Einzelhandel dauerhaft.

Das ist für mich eine Entwicklung, die zusammenpasst: Gesundheit, Natur, Wohnen, Tourismus, Gastronomie und eine attraktive Innenstadt stärken sich gegenseitig.

Und gerade weil Paderborn so nah ist, müssen wir nicht alles selbst sein. Wir müssen nicht versuchen, Paderborn beim Einkaufen Konkurrenz zu machen. Wir sollten vielmehr das anbieten, was eine Großstadt in dieser Form nicht bieten kann: Natur direkt vor der Haustür, Ruhe, Gesundheit, Erholung und eine hohe Lebensqualität.

Das ist für mich keine romantische Vorstellung von Bad Lippspringe, sondern eine wirtschaftliche Perspektive. Lebensqualität ist längst ein Standortfaktor. Gute Wohnbedingungen, attraktive Freizeitangebote, Gesundheit, Natur und eine lebenswerte Innenstadt entscheiden mit darüber, wo Menschen leben und wo Unternehmen Fachkräfte finden.

Deshalb wünsche ich mir, dass wir unsere Kraft und unsere Investitionen genau darauf konzentrieren.

Nicht immer neue Parkmöglichkeiten schaffen, weil wir zusätzliche Autos anziehen wollen. Sondern bessere Rad- und Fußwege, einen guten öffentlichen Nahverkehr und attraktive Verbindungen nach Paderborn.

Nicht zusätzliche Verkaufsfläche um ihrer selbst willen. Sondern bestehende Gebäude und Leerstände mit Nutzungen füllen, die zur Stadt passen.

Nicht möglichst viele Menschen für einige Stunden zum Einkaufen nach Bad Lippspringe holen. Sondern dafür sorgen, dass Menschen hier gerne leben, arbeiten, ihre Freizeit verbringen und als Gäste gerne wiederkommen.

Das wäre für mich eine selbstbewusste Entwicklung Bad Lippspringes.

Deshalb sollten wir uns nicht nur fragen, ob das City Outlet wirtschaftlich funktionieren kann. Wir sollten uns fragen, ob es wirklich die Entwicklung ist, die wir für Bad Lippspringe wollen – und ob wir unsere Energie nicht besser in eine Zukunft investieren, die auf unseren eigenen Stärken aufbaut.

Für mich ist die Antwort klar: Wir sollten nicht zuerst darüber nachdenken, wie wir zusätzlichen Verkehr bewältigen. Wir sollten uns fragen, warum wir ihn überhaupt erzeugen wollen.

Bad Lippspringe hat etwas, das man nicht künstlich schaffen kann: Natur, Gesundheit, Ruhe und eine besondere Lebensqualität direkt vor den Toren Paderborns.

Das ist kein Entwicklungshemmnis. Das ist das Kapital unserer Stadt. Und genau darauf sollten wir unsere Zukunft aufbauen.

Norika Creuzmann

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