Im Rahmen des Klimafolgenspaziergangs am 12. Juli begrüßte Klimaschutzmanager Henning Rieke knapp 30 interessierte Personen und Herrn Herbert Gruber, Vorsitzender des Heimatvereins, der unter anderem über die Bedeutung des großen Dedinger-Heide-Sees für den örtlichen Wasserhaushalt und über weitere Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Bad Lippspringe referierte. Auch ein Teil unseres Ortsverbandes nahm an dem Rundgang teil.
Das Wohngebiet an den Dedinger-Heide-Seen wurde nach einem Prinzip geplant, das heute häufig mit dem Konzept der Schwammstadt verbunden wird: Niederschlagswasser von benachbarten Straßen und Dachflächen wird über eine eigene Kanalisation in den See geleitet. Dort kann es gesammelt werden und teilweise versickern. Das ist eine Besonderheit, denn in anderen Teilen Bad Lippspringes wird Regenwasser je nach Entwässerungssystem entweder gemeinsam mit dem Schmutzwasser oder über einen separaten Regenwasserkanal abgeleitet (Trennsystem) und gelangt so in die Kläranlage. Dort verdünnt es das „echte“, mit Fetten und Nährstoffen belastete Abwasser, wodurch die Effektivität der biologischen Reinigung geschmälert wird.

Für uns stellte sich die Frage, ob dieses Konzept auch auf andere Bereiche der Stadt übertragen werden könnte. Dabei gibt es allerdings Einschränkungen: Niederschlagswasser von stark befahrenen Straßen kann beispielsweise durch Reifen- und Bremsabrieb sowie weitere Schadstoffe belastet sein. Eine direkte Einleitung oder Versickerung ist deshalb nicht überall ohne eine vorherige Reinigung, beispielsweise durch Retentionsbodenfilter wie im Gewerbegebiet „Am Vorderflöß“, möglich.
Der Wasserstand des Sees schwankt deutlich in Abhängigkeit von der Niederschlagsmenge und kann nach Starkregenereignissen schnell ansteigen. Neben den oberirdischen Zuflüssen wird der Wasserstand durch das Grundwasser beeinflusst. In besonders trockenen Jahren kann sogar eine Insel in der Mitte des größeren Sees sichtbar werden. Die Seen können aber auf diese Weise auch bei der Neubildung des Grundwassers unterstützen. Interessant war außerdem, dass rund um den See Weiß-Erlen angepflanzt wurden.
Während des Rundgangs ging es auch um die Auswirkungen des Klimawandels auf andere Teile Bad Lippspringes. Innenstädte heizen sich aufgrund ihres hohen Versiegelungsgrades im Sommer besonders stark auf. Regenwasser kann dort kaum versickern oder gespeichert werden und steht deshalb in Hitzeperioden nicht für die Verdunstung und die damit verbundene Abkühlung zur Verfügung. Abhilfe schaffen die Entsiegelung von Flächen sowie das Pflanzen von Bäumen, Hecken und Sträuchern, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Raum. [Quelle: Umweltbundesamt]
Die Begrünung der Bad Lippspringer Innenstadt und vieler Straßenzüge durch Laubbäume gehört für viele Bürger*innen schon lange zum Stadtbild. Herr Gruber berichtete, dass das Stadtgrün auch für die Vergabe des Prädikats „Heilklimatischer Kurort“ ausschlaggebend gewesen sei. Darüber hinaus gilt die Begrünung von Fassaden als wirksame Maßnahme gegen die Aufheizung dicht bebauter Bereiche und für den Erhalt unserer Luftqualität. Mit ihrem Förderprogramm versucht die Stadt bereits, entsprechende Anreize zu setzen. Trotzdem sind begrünte Fassaden in unserer Badestadt bislang nur selten zu sehen.
Für das Heilklima Bad Lippspringes sind auch die umliegenden Wald- und Höhengebiete von großer Bedeutung. Aufgrund der geografischen Lage zwischen der Paderborner Hochfläche, dem Eggegebirge und der Senne entstehen lokale Luftströmungen, die zur Durchlüftung des Stadtgebietes beitragen. Deshalb sollten wichtige Kalt- und Frischluftbahnen bei künftigen Bauvorhaben berücksichtigt und möglichst freigehalten werden. Nach den Erläuterungen während des Spaziergangs seien beispielsweise die Höhe der Teutoburger-Wald-Klinik und auch ein mögliches mehrgeschossiges Parkhaus am Sandweg unter diesem Gesichtspunkt kritisch zu betrachten.
Wir bedanken uns für den spannenden und informativen Austausch während des Spaziergangs. Gleichzeitig wurde deutlich: Bad Lippspringe muss aktiv werden, sowohl beim Klimaschutz als auch bei der Anpassung an die bereits spürbaren Folgen des Klimawandels.