Wie klimafest ist Bad Lippspringe?

Welche Folgen hat der Klimawandel für Gesundheit, Städte und den Bevölkerungsschutz? Darüber diskutierten auf Einladung der Grünen Bad Lippspringe drei Fachleute aus Medizin, Landespolitik und Bevölkerungsschutz unter dem Titel „Zu heiß. Zu trocken. Zu viel Wasser – ist unsere Kommune klimafest?“.

Etliche Interessierte nutzten die Gelegenheit, sich über die Herausforderungen des Klimawandels und konkrete Handlungsmöglichkeiten vor Ort zu informieren. Dabei wurde deutlich: Klimaanpassung ist keine abstrakte Zukunftsaufgabe, sondern betrifft unmittelbar die Lebensqualität und Sicherheit der Menschen.

Dr. Heike Niggemeier machte insbesondere auf die gesundheitlichen Folgen zunehmender Hitze aufmerksam. Sie widersprach der verbreiteten Annahme, dass vor allem Menschen an Hitze sterben, die ohnehin nur noch kurze Zeit zu leben gehabt hätten: „Die Hitzetoten wären nicht sowieso bald gestorben, denn es gab nach der Hitze keine Untersterblichkeit. Sie hätten noch viele Jahre leben können.“ Besonders ältere Menschen, chronisch Erkrankte und kleine Kinder benötigen wirksamen Schutz vor extremen Temperaturen. „Kinder können sich an heißen Tagen schlechter konzentrieren – das belastet ihren Schulalltag“, erklärte die Ärztin. Sie warb für Hitzeaktionspläne in Schulen und Kitas.

Hedwig Tarner, grüne Landtagsabgeordnete und Mitglied der Enquetekommission „Wasser in Zeiten der Klimakrise“, richtete den Blick auf die Möglichkeiten der Klimaanpassung vor Ort. „Bad Lippspringe hat mit seinen Grünflächen und Parks bereits gute Voraussetzungen“, betonte sie, doch es brauche mehr: Das Prinzip der Schwammstadt mache Kommunen widerstandsfähiger. Durch Entsiegelung und Begrünung könne Regenwasser vor Ort gespeichert werden, etwa auf multifunktionalen Flächen, die im Alltag als Parkplätze dienen, bei Starkregen aber gezielt Wasser aufnehmen. „So schützen wir unsere Infrastruktur und gewinnen gleichzeitig Lebensqualität“, so Tarner. Gefordert sind dabei sowohl die Kommunen als auch private Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer.

Kreisbrandmeister Stephan Reckhaus, zeitgleich Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutzes des Kreises Paderborn, erläuterte die Herausforderungen, vor denen die Einsatzkräfte angesichts zunehmender Extremwetterereignisse stehen. Entscheidend sei die „enge Zusammenarbeit der Verwaltung, der hauptamtlichen und der ehrenamtlichen Feuerwehrleute und der Bürgerschaft“. Gute Vorbereitung, funktionierende Warnsysteme und eine sensibilisierte Bevölkerung seien wichtige Voraussetzungen, um im Ernstfall schnell und wirksam handeln zu können. Schon jetzt sei die gute Vernetzung innerhalb von OWL und NRW hervorzuheben, sowie auch die Nachbarschaftshilfe bei vergangenen Extremwetterereignissen. Nicht zu vernachlässigen sei neben den kommunalen Maßnahmen auch die Eigenvorsorge: „Jede*r kann für den Schutz des eigenen Hauses gegen Starkregen vorbereitet sein, in der Nachbarschaft helfen und vor allem im Ehrenamt viel bewegen!“

In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass Klimaanpassung viele Bereiche kommunalen Handelns betrifft – von der Stadtplanung über den Gesundheitsschutz bis zum Katastrophenschutz. Dabei geht es nicht nur um große Investitionen, sondern auch um zahlreiche kleinere Maßnahmen, die gemeinsam viel bewirken können.

Viele Anwesende beteiligten sich an der Diskussion und brachten ihre Perspektiven ein. So wurde immer wieder der Schutz von Kindern und Jugendlichen durch eine Neuorganisation des Schulalltags oder bessere Hitzeschutzmaßnahmen zum Thema. Auch die Bad Lippspringer Kliniken standen im Fokus.

Die heimische Landtagsabgeordnete Norika Creuzmann moderierte die eineinhalbstündige Veranstaltung. Ihr Fazit: Klimaschutz und Klimaanpassung gehören zusammen. Während es beim Klimaschutz darum geht, die weitere Erderwärmung zu begrenzen, müssen sich Städte und Gemeinden gleichzeitig auf die bereits spürbaren Folgen vorbereiten. Dafür braucht es vorausschauende politische Entscheidungen, eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten und Menschen, die sich vor Ort engagieren. Denn eines wurde an diesem Abend besonders deutlich: Die Frage ist längst nicht mehr, ob wir uns an den Klimawandel anpassen müssen, sondern wie schnell und wie konsequent wir damit beginnen.

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